Wir führen junge Leute hinter die Kulissen der Gastronomie und lassen diese in das Reich der Hotellerie schnuppern.
Neben persönlichen Eindrücken und wertvollen Impulsen aus Sicht der Schülerinnen und Schüler bekommen wir dieses Jahr schon am ersten Tag ein tolles Kompliment.
Wie es dazu kommt, erzähle ich Euch heute hier.
Vor fünf oder sechs Jahren nahmen wir uns das erste Mal die Zeit und engagierten uns bei der Initiative SCHAU REIN. Zu den damaligen Zeiten gewann ich als Gastgeberin in Gegenwart der Schülerinnen und Schüler den Eindruck, daß SCHAU REIN immer noch besser ist, als Schule selbst. Wohl möglich erschien mir damals, daß SCHAU REIN einen guten Zweck folgt, für die Schüler jedoch eine willkommene Abwechslung ist.
Schon damals bemühte ich mich meine Unternehmenspräsentation abwechslungsreich und locker zu gestalten und trotzdem blieb es mir verwehrt die Langeweile-Stimmung der Kinder zu unterbrechen. Ich war enttäuscht über nur einen kleinen Funken von Interesse, welcher von einem Schüler kam, der klar wußte, daß er mal auf einem Schiff arbeiten wollte.
Was war dieses Mal anders?
Wir treffen uns auch in diesem Jahr wieder in der Gaststube unseres Restaurants Vitaler Hirsch. Dieses Mal ist es jedoch gleich von vornherein anders. In der Luft liegt wohl ein wenig Nervosität, aber die Stimmung ist angenehm. Wir starten mit der Vorstellung, nicht etwa die Chefin mit einer langen Rede, sondern wir kommen durch Fragen und Anerkennung mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Auch während des Hausrundgangs fallen mir viele Fragen ein, welche ich als Gastgeberin stelle und so halten wir die ständige Verbindung zu einander. Es macht Spaß hin zu hören, was die Kinder zu sagen haben, wie bewusst sie sind und welche Erfahrungen sie selbst schon in anderen Lokalen oder auch zu Hause in Bezug auf die Gastgeberrolle haben. Dabei fällt auf, daß unbekannte Kinder aus verschiedenen Schulen auf einmal sich beim Betten überziehen unterstützen, lachen und sich gegenseitig mit guten Vorschlägen beim Zwiebel schälen oder Gläser polieren zur Seite stehen. Selbst an eine geplante Reservierung per Telefon traut sich eine Schülerin mutig ran und meistert ihr erstmaliges Handeln in dieser Form mit Bravour.
Wie ist es uns gelungen, diese Bindung aufzubauen und zu halten?
War es das Beisein meiner Lehrlingstochter, welche den Mehrwert der Gastronomie mit den Worten `Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbewusstsein` beschrieb? War es mein Zutrauen, meine Bestätigung oder mein Spaß am Rande? Oder war es nur ein Zufall?
Ich glaube es war genau das und vielleicht auch noch mehr…
Letztens habe ich das Zitat von Wayne Dyer gehört: „Ändern wir unseren Blick auf die Dinge, dann ändern sich auch die Dinge, auf die wir blicken.“
Mit den vergangenen Jahren habe ich gelernt, was ich persönlich wirklich will. Ich möchte gern respektvoll behandelt werden.
Mit diesem Wunsch mußte ich mir eingestehen, daß der Respekt den ich mir vorstelle bei mir beginnt.
Wie ehrlich bin ich mir selbst gegenüber? Wieviel Interesse widme ich meinen Herzensangelegenheiten wirklich? Was folgt meiner Aufmerksamkeit und wie sehr setze ich mich selbst unter Druck?
Um mein Handeln bewußter zu gestalten, habe ich angefangen den Gruß ´Hallo´ aus meinem Wortschatz zu ersetzen oder zu mindestens zu minimieren. Es folgten Wörter wie ´eigentlich, nicht und keine´. Dabei bemerkte ich, daß ich mir und mein Gedankengut damit ein Gefallen tu. Auch der Umgang mit meinen Mitmenschen wurde dabei emphatischer und verständnisvoller.
Mit dem guten Wunsch auf den Weg: „Ich wünsche Euch eine klare Vorstellungskraft für Euer Leben. Vorstellungsgespräche und Vorstellungsschreiben sind gut. Mehr stellt Euch jedoch vor, wie Euer Leben aussehen soll! Möchtet ihr einmal eine Familie gründen? Welches Auto möchtet ihr fahren? Wollt ihr ein Haus bauen oder um die Welt reisen? Wie wollt ihr gern behandelt werden? Dieser Vorstellungskraft, werden Beruf und Berufung folgen. Das wünsche ich euch.“
… so gelang es mir am ersten Tag die Herzensbindung zu den Schülerinnen und Schülern zu knüpfen und bekam sogleich die Resonanz mit einem eindrucksvollen Kompliment.
Wow. Auch der zweite Tag war phantastisch. Volle Aufmerksamkeit erhielt ich von den Kindern. Allein schon das ist ein tolles Kompliment. Ich bin überzeugt, daß ein Beziehung oder auch eine Bindung zu Menschen entsteht, wenn ich mein Gegenüber genauso behandle, wie ich selbst behandelt werden möchte. Möchte ich, daß während meiner Präsentation mir Fragen gestellt werden, dann bin auch ich gerufen wahrhaftig interessiert zu sein. Möchte ich, daß mir mit Freundlichkeit und höflich begegnet wird, dann bin auch ich gerufen zu bemerken, daß ich mich über die Anwesenheit meines Gegenübers freue. Möchte ich Spaß und gute Laune an meinen Arbeitsplatz, dann bin auch ich animiert aufzuzeigen, daß ich mich am richtigen Platz in der Welt befinde.
Am Ende der zweiten Präsentation waren wir alle gefragt, was die Anforderungen des Betriebes sind, welche an Bewerber gestellt werden? In meinen Unternehmen erwarte ich nur eines von meinen Mitarbeitern: einen WILLE. Ohne mit der Wimper zu zucken meinte daraufhin ein Schau-Rein-Bewerber "Ich will. Wir sehen uns im Vorstellungsgespräch wieder."
Für diese so wertvolle Erfahrung danke ich von ganzen Herzen der Initiative von SCHAU REIN, dem Engagement der Unternehmen, den Mentoren in den Schulen, dem Vertrauen der Eltern und vor allem dem Mut und der Offenheit der Kinder. Mädchen und Jungen Ihr seid alle wundervoll. Vielen Dank.
In der heutigen Zeit ist SCHAU REIN für mich ein gelebtes Symbol für ein großartiges Miteinander.
Für die Zukunft sehe ich SCHAU REIN als ein wichtiges Element, um weitere Brücken zu bauen und andere Wege zu bahnen.
Dankeschön.
Ihre Gastgeberin vom Landhotel Sperlingsberg
Mandy Hirsch